oder – wie das Herz bis zum Kinn kommt

Wie Moni ha schon geschrieben hat, sind wir hier in einem kleinen aber recht feinen Park unterwegs. Und nachdem Moni nun auch nicht mehr alle 20 Minuten aufs stille Örtchen flitzen muss macht auch das herumfahren wieder Freude Smiley Vor 2 Tagen (Nacht vom 19. auf den 20.02.), an dem Tag an welchem wir Port Elizabeth verlassen haben, sind wir auf einen schönen kleinen Campingplatz direkt am Meer gefahren, an der M12, welcher an einer Einmündung lag welche sich wie ein Fluss in das Land zog, über mehrere Kilometer. Man hatte den Eindruck, dass man sich in der Wüste befindet (wegen der hohen Dünen, und gleichzeitig am Meer (wegen der Geräuschkulisse) und gleichzeig an einem wunderschönen Fluss.

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Der Platz war bis auf uns und noch 2 andere kleine Campingfamilien Menschenleer und totenstill. Wie schon aus unseren vorherigen Touren bekannt wird auf diesen einsamen Plätzen abends der Generator angeschmissen, damit ein wenig Strom und auch Licht da ist. Daran können wir uns dann schon mal gewöhnen….

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Mit dem Wetter hatten wir leider nicht so viel Glück, da ein Gewitter zum Abend hin aufzog so dass unser Aufenthalt im Freien doch ehr beschränkt war. Silas und ich haben uns aber, da wir windgünstig standen, hinten unter der Kabine ein relativ regenfreies und windstilles Plätzchen gesucht, so dass wir das Gewitter dann noch draußen erleben konnten (es hat auch einen gewissen Vorteil wenn man ein hohes Auto hat, unter das man sich gemütlich auf einem Stuhl setzen kann Zwinkerndes Smiley) Nachdem wir nun Gewitter und Nacht gut überstanden hatten ging es nun also auf in den Addo Elephant National Park etwas 10 Minuten Fahrt von unserem Campingplatz entfernt den wir extra schon in der Nähe ausgesucht hatten.

Kleiner Schwenker noch am Rande – auf dem Weg zum Campingplatz, von Port Elizabeth, konnten wir eine interessante Feststellung machen. Unser Dicker kommt offensichtlich sehr gut an. Immer wieder sind wir an der Kreuzung oder auch auf Parkplätzen angesprochen wurden wo wir denn her kämen, was wir denn so machen würden. Zwei Begebenheiten waren dabei besonders lustig. Die erste war an einer Ampel als links neben uns einer dieser typischen afrikanischen Toyota-Pickups hielt mit ein paar Farbigen auf der Ladefläche die uns prompt ihren “Daumen Hoch” entgegen streckten. Währen die Ampel Rot war haben sie dann noch gesagt wie klasse sie unser Auto finden und gefragt was wir denn so machen würden. Sie haben uns dann noch viel Glück und “enjoy Africa” gewünscht und dann wurds auch schon grün. 4 Ampeln weiter kam dann einer der typischen Straßenverkäufer die immer an den Kreuzungen alles mögliche verkaufen (dieser verkaufte KFZ USB-Ladegeräte) auf uns zu und fragte auch, was wir so machen würden und ob wie da und dahin fahren wollten – da wollte er auch bald mal hin. Auch mit ihm haben wir wieder kurz erzählt um am ende hat er dann noch gefragt ob wir eines seiner Ladegeräte brauchen könnten. Ich hab dann aber erwähnt dass ich selber ein paar habe und ihm eines verkaufen könnte. Er meinte dann nur, dass er das nächste mal vielleicht eins bei mir kaufen würde, wenn er keine mehr hätte oder seine kaputt wären Smiley So haben wir mit vielen sehr freundlichen Menschen jeden Tag schon tolle Gespräche geführt. .Da kann man wirklich nur immer wieder sagen – wer selber freundlich ist dem widerfährt auch viel freundliches. Afrika haben wir bisher immer wieder als sehr sehr freundliches Land erfahren.

Nun aber wieder zurück zum Addo Elephant Park. Nachdem also nun der erste Tag wie von Moni beschrieben nicht so erfolgreich verlaufen war hatten wir doch ein paar schöne Erlebnisse. Unser Dicker und wir als Familie wurden mehrmals von kleinen Herrentrupps (jenseits von 70 würde ich auf Grund der diversen Gehilfen urteilen) besucht und es wurde sich hoch interessiert erkundigt, wie denn der Wagen modifiziert worden sein. Selbst den Erklärungen über den speziellen Stabilisator, den Zusatztank und das angepasste HD Fahrwerk wurde aufmerksam gefolgt und immer wieder interessiert Fragen gestellt. Die Herren stiegen dann abends doch tatsächlich 2 Campsites weiter in ihre Zelte und machen es sich dort bequem, nachdem die Gehilfen außen abgestellt wurden. Na – das nenn ich mal Camper Durch und Durch. Aber noch etwas amüsantes hat sich zugetragen. Ich war gerade beim Abwasch als mich ein älterer Herr auf Afrikaans im Waschraum ansprach ich solle ihm folgen. Seiner Aufforderung nachkommend sah ich 2 weitere ältere Herren die mich am Nachmittag schon besucht hatten. Der erste in der linken Hand seine Krücke, in der Rechten einen Fotoapparat. Der Zweite eine Hand stützend im Rücken und in der anderen eine LED-Lampe, vorausleuchtend. Und allen drei Herren voraus an der Spitze ein Stachelschwein strammen Schrittes den drei Herren die Geschwindigkeit vorgebend die sich prächtig am amüsieren waren, dass sie noch einen solch tollen Fang gemacht hatten zu später Stunde, als es schon dunkel war. Nach der Verfolgungsjagd (ca. 4 km/h) verabschiedeten wir uns und wünschten uns noch eine geruhsame Nacht. Schade, dass ich das nicht filmen konnte – eine sehr amüsante und sehr nette Erfahrung.

Am nächsten Morgen sind wir dann voller frohen Mutes wieder gestartet und hofften, diesen Tag ein wenig mehr Glück zu haben als am vorherigen. Beginnend mit ein paar Zebras und Antilopen sahen wir dann aus der Ferne eine etwas größere Ansammlung von Autos hinter einer Ecke und einen Elefanten. Also machten wir uns auch auf den Weg um uns den Elefanten anzuschauen. Als wir näher kamen und die Ecke hinter uns ließen sahen wir dass es ein Wasserloch mit nicht einem Elefanten, sondern sicherlich 25 waren. Wir hatten Glück und konnten uns genau vor das Wasserloch positionieren zwischen ca. 5-7 andere Fahrzeuge. Die Herde bestand aus einem größeren Bullen, mehreren Kühen und einigen Jungtieren, darunter auch gaaaanz kleine, die vielleicht so hoch wie Silas waren. Zu beschreiben gibt es da eigentlich nicht viel mehr, hier daher ein paar Fotos und ein kleines Video.

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Die Herde war etwa 15m von uns entfernt und hat sich nicht im geringsten durch uns oder die anderen Fahrzeuge stören lassen.

Der Bulle machte zwischendurch nur immer mal wieder klar, wer hier das Sagen hat und positionierte sich zwischen den Wagen und der Herde mit einer klaren Geste der Stärke und ging auf die Fahrzeuge zu, dann aber wieder zurück zur Herde:

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Da man hier die Größe nicht so richtig beurteilen kann, der Bulle war ca. 2.3m hoch an seiner höchsten Stelle. Und auch die Kleinen hatten so ihren Spaß in der Herde, hielten sich aber immer in der Nähe der Mütter auf.

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Egal ob beim Rüsselspiel, beim Trinken…

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oder beim Spaziergang:

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Nach einer Weile wurde es dem Bullen dann zu bunt und er gab sehr deutlich zu verstehen, dass die Autos nicht länger erwünscht waren (Lenja meinte: “Der Chef will, dass wir gehen”), indem er sehr nach an uns rankam, die Ohren aufstellte und laut schnaubte. Wir und einige andere haben sich dann auch brav verdrückt. Wenige sind noch da geblieben und wir haben keine Ahnung, was aus denen geworden ist. Später sahen wir dann einige Abschleppwagen durch den Park fahren die Schrottautos hintendran hatten –. wir denken dass es die waren, die nicht gefahren sind Smiley (kleiner Scherz am Rande).

Und nun das kleine versprochen Video um es noch mal kurz in bewegten Bildern zu zeigen:

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Und der Tag sollte so erfolgreich weitergehen, wie er angefangen hatte. Ein paar Kilometer und ein Wasserloch weiter haben wir dann einen weiteren Kapitalen Bullen gefunden, der wunderschöne geschwungene Stoßzähne hatte und gemütlich das Schilfgras vernascht hat:

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Nach einiger Zeit kam noch ein weiterer Bulle dazu, der kurz vorher unsere Straße gekreuzt hatte. Dieser hatte etwa die Größe des Leitbullen der Herde, also um die 2,3m und damit etwa 20cm höher als der Landy ohne Kabine. Und wenn man jetzt mal beide nebeneinander sieht, kann man besser einschätzen, wie groß denn der Bulle mit den schönen Stoßzähnen war.

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Der dürfte noch mal gut 50cm mehr gehabt haben und somit fast so groß wie unsere Kabine gewesen sein. Gut, dass wir den nicht gestört haben… Echt schade, dass man die Größen auf den Bildern nur sehr schwer einschätzen kann. Aber…

Wir hatten ein Erlebnis, und das “nur” mit einem kleinen Bullen, welches sehr genau erkennen lässt, wie groß schon viele der “Kleinen” sind und welchen Respekt man vor diesen wunderschönen Tieren haben sollte.

Wieder eine kurze Zeit weiter nachdem wir weitergefahren waren sind wir an einem Wasserloch vorbeigekommen, an dem 3 weitere Bullen standen und gemütlich ihren Rüssel im Wasser schwenkten. Wir standen dort mit noch 2 weiteren Wagen und hinter uns kam noch ein kleiner VW Polo an, der sich brav in der Schlange hinten anstellte und auch schon wie es sich gehört den Motor ausschaltete. Einer der Wagen der schon vor uns dort Stand war ein Gamedrive-Auto (das sind die Safari-Wagen, auf denen man eine Safari buchen kann). Dieser stand ca. 10m von uns entfernt mit der Schnauze in unsere Richtung. Was wir nicht bemerkt hatten .- wir standen wohl auf der Elefantenstraße (ja, die Tiere bewegen sich immer auf festen Pfaden die man eigentlich gut erkennen kann weil dort immer alles plattgetrampelt ist). Diese “Straße” verlief nun mit ca. 50cm Abstand vor unserem Dicken und genau zwischen Safari-Wagen und uns. nach ca. 10 Minuten setzte sich der größte Bulle des 3er Verbundes in Bewegung – in unsere Richtung. DSCN1426

5m noch bis zu uns – Schock. Hinter uns der VW, es ging keinen Meter zurück, vor uns der Safari-Wagen. 4m – was sollten wir machen? Vor ging auch nicht mehr… 3m, 2m, 1m…

Ohren wedelten, leises Schnauben… 30 Sekunden stille, wir wurden gemustert und saßen Regungslos im Wagen… Weiter… genau vor unserem Dicken blieb der andere dicke stehen:

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Sein Rüssel hing direkt vor unsere Stoßstange und er musterte und noch mal, vielleicht 1 Minute (uns kam es vor als wäre es eine Ewigkeit gewesen. Das war der Moment in welchem wir die Hosen voll hatten und das Herz bis zum Kinn schlug. Von uns kam kein Geräusch und keine Bewegung. Auge in Auge mit diesem niedlichen kleinen Tierchen und wir hatten das Erlebnis unseres Tages. Nach der Musterung und ein paar abfälligen Blicken zog dieser auf der Elefantenstraße weiter und ließ uns hinter sich.

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Naja, dieses “kleine Exemplar” von vielleicht 2,5m hätte unseren Dicken wohl nicht komplett zerlegen können, aber ein paar Beulen wären’s wohl schon geworden Zwinkerndes Smiley

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Der Parkranger aus dem Safari Wagen mit einer ganzen Bagage von Touristen hinten drin hielt nachher neben uns an, grinste uns breit an und meinte nur “don’t worry”. Die da hinten im Wagen lachten alle herzlich und wir waren heilfroh, dieses überstanden zu haben. Man bekommt zwar immer gesagt dass die Tiere absolut friedlich sind und keiner Fliege was zu Leide tun wenn man sie nicht reizt (was wohl sehr schwer ist) – aber wenn man selber dann so nah dabei ist, wird einem schon ein wenig anders…

Nachdem wir dann unsere Hosen alle sauber gekratzt hatten und das Herz wieder einigermaßen da war, wo es sein sollte sind wir dann weitergefahren und konnten noch immer nicht glauben, was für ein Glück wir hatten, so etwas erleben zu können. Und wir sind erst 2,5 Wochen hier und die meisten Menschen können sowas nie erleben… Wir Glückspilze – bis jetzt läuft es echt super Smiley Heute fahren wir dann weiter Richtung Capetown bei wunderschönem Wetter und bester Laune so wundervolle erlebnisreiche, lustige Tage im Addo Elephant National Park verbracht zu haben.

Nur noch mal zur Erinnerung – immer wenn wir Internet haben, aktualisieren wir, was aber auf Grund der Situation auf dem Campingplätzen ehr unregelmäßig der Fall sein wird.