Vorweg – dieses Land ist ein Traum und die Menschen die hier leben einfach wunderbar. Wir erfahren jeden Tag wie einfach es sein kann, menschlich zu sein – Danke South Africa!

Nachdem wir unser schönes Hotel verlassen hatten um uns am frühen Morgen das “Big Hole” anzuschauen, ein riesiges von Hand gegrabenes Loch aus dem Diamanten geschürft wurden bis 1914, als der erste Weltkrieg ausbrach, sind wir dann weiter Richtung Port Elizabeth.

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Wir hatten vor bis nach De Aar zu fahren um dort zu übernachten, das liegt auf etwa 1/3 der Strecke die wir noch zu fahren hatten, ca. 750km in Summe. Nachdem wir uns durch einige Baustellen gequält hatten da die alte Straße auf ca. 100km neu gemacht wird, und das in strömendem Regen sind wir bei De Aar angekommen.. Jetzt nicht mehr im Regen aber dafür bei 36 Grad und im Sandsturm so dass die Stadt nicht mehr zu sehen war – unglaublich. Als wir uns nun im Schritttempo in die Stadt vorgetastet hatten kam die “Überraschung”.

De Aar (oder auch der A… der Welt)

Wenn es einen “A….” der Welt gibt, dann hatten WIR ihn gefunden und wollten dort schlafen (jetzt nicht mehr wirklich), Nachdem wir 10 Minuten durch den Ort geschlichen waren und nichts gefunden hatten was irgendwie lebendig aussah sind wir zur lokalen Krankenstation und haben nachgefragt ob es wenigstens ein Restaurant gibt in dem wir was essen konnten. Nach einen Lächeln der 3 heftig diskutierenden Krankenschwestern in Warteposition dass endlich mal was passiert und einer mehr oder weniger ernst gemeinsten Gegenfrage “Restaurant?” haben sie uns dann auf die Hauptstraße verwiesen auf der es 2 Tankstellen gab.

Tja, da landet man wenn man sich auf einen Reiseführer auf Deutschland verlässt der hochaktuell ist (2011) und Übernachtungen in 4 Kategorien einstuft die bei 100 Rand/Nacht anfangen. Unsere letzte Lodge sollte bis 200 kosten und hat dann in der billigsten Kategorie 660 gekostet… Danke an Stefan Loose Travel Handbücher “Südafrika”. Ausser die Ortsnamen stimmt nicht wirklich viel in dem Ding. Das erwähnte Restaurant ist der lokale Rotary Club (ja, echt, den gabs da wirklich) und ist seit wahrscheinlich 10 Jahren geschlossen. Ähnliche Erlebnisse hatten wir mit dem Ding auch in anderen Orten.

Nun aber wieder zurück zu De Aar – dem wirklich existierenden A… der Welt, was gerade in einem Sandsturm versinkt. Auf der Hauptstraße, ca. 2km lang, war kein einziges Geschäft offen, ausser ein Lebensmittelshop vor dem ei einschlägige Klientel rumlungerte. Man muss sich De Aar vorstellen wir eine Stadt aus einem australischen Horrorfilm. Nur einstöckige Häuser, Ausdehnung ca. 4*4 km. Was die Leute da machen – keine Ahnung. 200km vorher war NICHTS. 200km  nachher kam NICHTS. Alle Geschäfte irgendwie zu – ausser ein Chicken-King, in dem es alles gab was so ein Hühnchen an sich hat. Und genau da sind wir hin. Und vor dem Chicken King saß – ein Chap. Wie aus dem Buch – braun gebrannter Weißer, Blondes Haar, BueJeans, ein bisschen loddrig, und war eine Portion Hühnchen am verdrücken. Wir kamen vorbei und er grüßte freundlich. Aber irgendwie unheimlich. Der Chap hat immer wieder komisch durch die Gegend geguckt, und wir unser Auto nicht aus den Augen gelassen. Ich hatte schwer den Eindruck dass der irgendwie schräg drauf war – wie in einem australischen Horrorfilm. Wir wrteten darauf dass er jedem Moment am Rad dreht und alle niedermetzelt die da so rumsitzen und ihr fettiges Hähnchen bei 36Grad im Schatten in sich reinschieben. Nachdem wir dann einen Großteil verputzt hatten konnten wir uns noch rechtzeitig wieder auf die Socken machen, um Chap und das A… der Welt hinter uns zu lassen. Wir haben uns dann spontan dazu entschlossen, doch nicht dort zu übernachten Smiley

Die nächste Stadt, Cradock, lag etwa 200km weit entfernt, dazwischen gähnende Leere, ein Sandsturm, dann nur noch Sturm, dafür aber mit Starkregen…

Nach ca. 1 Stunde Fahrt klärte es sich dann auf und wir wurden wieder mit der beeindruckenden Schönheit des NICHTS belohnt:

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Die Kinder haben nach dem Chicken und dem Chap seelenruhig im Auto geschlafen und wir haben die Landschaft genossen.

In De Aar wurde uns wieder sehr deutlich, dass wir nicht in Deutschland sind, nicht in Europa, sondern ganz wo anders. Wir sind sicher, dass De Aar eine ganz friedliche und freundliche Stadt mit herzlichen Einwohnern ist. Aber für uns ist es wieder Neu und wir müssen uns erst wieder daran gewöhnen, wie es hier in Afrika so ist. Unsere letzten Reisen sind einfach schon eine Weile her und vieles ist in Vergessenheit geraten – das muss erst langsam wiederkommen.

Craddock – wo bitte sind die Windmühlen?

Also nun weiter nach Craddock, der im oben bereits erwähnten Reiseführer so schön beschriebenen Stadt mit unendlich vielen Windmühlen (die silbernen die man auch aus vielen amerikanischen Filmen kennt, welche zur Wasserförderung genutzt werden). Und hier das so schön beschriebene Craddock Spa angesteuert. Naja, es war nicht anders zu erwarten – eine Windmühle weit und breit um Craddock.. Das Spa eine verlotterte Unterkunft im Jugendherbergsstil wo die Lodges schwer nach Muff von 20 Jahren riechen. Also nicht weiter auf den Südafrikaführer verlassen uns selber auf die Suche gemacht. Nach dem Ersten Versuch, der leider kein Erfolg war, da wir ja Platz für 4 Personen brauchen weiter zum nächsten Guest House. Die Tür öffnete eine nette ältere Afrikaanse Dame, die in ihrem Ersthaus auch keinen Platz für 4 hatte. Aber da war noch ein weiteres Hause. Zu diesem hat sie uns dann quer durch Craddock gebracht. Vorbei an der schönen alten Kirche, vielen Häusern im Kolonialstil, abgebogen in eine schöne alte Nebenstraße deren Teerdecke ehr an eine Hügellandschaft in einem deutschen Mittelgebirge erinnert als an eine bei uns übliche Fahrbahndecke.

Deutlich war die Kolonialluft zu schnuppern und die guten “Alten Zeiten” die diese Stadt einmal erlebt hat, wie sicherlich viele der hier noch wohnenden weißen Bevölkerung sagen würden. Mittlerweile waren viele der Häuser welche früher sicherlich überwiegend von Weißen bewohnt wurden, von Schwarzen Familien bewohnt.

Angekommen am Haus, welches wir komplett für uns alleine hatten, und das für 550 RAND (ca. 47€) hat sich unser Eindruck verfestigt, dass wir hier in einer ehemaligen Afrikaansen Kolonialsiedlung sind und die Dame eine echte Afrikaanse war  (was ebenfalls dem Dialekt zu entnehmen war). Ein wunderschönes Haus, eingerichtet wie vor 100 Jahren mit entsprechenden Bildern an der Wand und Utensilien ausgestattet:

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Es lebe die Königin und die Kolonie…

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Alle Fenster und Türen selbstverständlich vergittert und die Türen sogar mit einer Vortür aus Eisen (oben in der Küche gut zu sehen). Auch an sowas müssen wir uns wieder gewöhnen wobei wir uns gut vorstellen können, dass dieses heute nicht mehr notwendig ist, da wir aus der Vergangenheit noch in Erinnerung hatten, dass die Durchmischung der Rassen innerhalb von SA viel geringer war als heute. Heute sieht man viel mehr Farbige an Orten an welchen man diese bei unserer Ersten Reise vor ca. 12 Jahren nie vermutet hätte.

Es ist nicht einfach…

…ausser für “uns”.

Was geht heute in den Köpfen der bis 1989 “herrschenden” Rasse vor und was in den Köpfen der bis dahin “untergebenen” Rasse? Für uns als Deutsche, und damit auch Moni und mich nur schwer vorstellbar. Was denken die Farbigen, welche leider immer noch in der überwiegenden Anzahl niedere Jobs ausüben, heute über uns als Weiße? Was denken die einheimischen Weißen über die Farbigen? Wir wissen es nicht und würden es so gerne wissen. Eine Frage die wir sicherlich im Verlauf unserer Reise einigen Menschen stellen werden.

Also – nach der Ankunft in Craddock bin ich dann erst mal wieder einkaufen gegangen. Und da war es wieder – das Gewöhnungsbedürftige. Angekommen am Shop kam erst mal direkt wieder einer auf mich zu und frage “Boss – can I look for your car?” “Yes, sure, no problem” “Boss – thank you so much”.

Rein in den Supermarkt mit einer gewissen inneren Unruhe. Ich bin’s nicht mehr gewöhnt. Nach dem Einkauf, für uns ein normaler Supermarkt mit einem Sortiment wie man es bei uns nicht besser kennt und Preisen die absolut vergleichbar sind zu denen bei uns in Deutschland – wieder raus zum Auto. Was müssen die Menschen vor dem Supermarkt denken die auf “unsere” Autos aufpassen und uns mit den vollen Taschen rauskommen sehen und auch noch beim Einladen helfen. Nein, kein schlechtes Gefühl weil ich Angst hatte, sondern weil die Situation an sich pervers ist – ich kann es nicht anders ausdrücken. An alle die dieses lesen und in einem so schönen Land leben wie wir in Deutschland – uns geht es verdammt gut. Und was Moni und ich mit unserer Familie machen können erfüllt uns umso mehr mit tiefster Dankbarkeit wenn wir hier unterwegs sind und sehen wie die überwiegende Mehrheit der Menschheit lebt. Und dabei geht es den Menschen in SA noch immer viel besser als in den meisten Ländern dieser Welt. Wir merken dass es ein riesen Unterschied ist ob man Bilder über unsere Medien vermittelt bekommt mit der anschließenden Rateshow damit man sie schnell wieder vergisst und sich in sinnloser Zerstreuung verliert, oder ob man in annähernd jeder alltäglichen Situation damit konfrontiert wird. Und wir sind erst wenige Tage hier…

Nachdem ich dem freundlichen Bewacher ein paar Rand für seine Dienste in die Hand gegeben habe hat dieser sich überschwänglich bedankt und gebeten dass Gott mich und meine Familie segne. Nein, ich glaube nicht dass die Gitter notwendig sind. Die Wahrheit ist eine andere, nur haben wir eine Realität geschaffen in welcher es eben so ist!

Nach einer unruhigen Nacht

Am nächsten Morgen nach einer unruhigen Nacht weil wir uns hier nicht so richtige ob der Situation wohlgefühlt haben sind wir dann weiter zu unserem Ziel für die erste kleine Etappe der Reise – nach Port Elizabeth.

Da wir ja nun schon viel mehr gefahren waren als anfänglich geplant gingen die letzten knapp 170km doch recht zügig und wir hatten nach ca. 2 Stunden das Meer mit der Industrie Skyline von Port Elizabeth vor uns:

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Hier hatte Moni schon eine Art Wohnpark rausgesucht, eine Art Holländische Feriensiedlung, in welcher wir glücklicherweise dann auch noch ein kleines Häuschen bekommen hatten, da wir nicht vorgebucht hatten. Das Haus haben wir nun bis zum 17.02., da am 15. unser Dicker kommen soll und wir ein bisschen Puffer eingeplant haben. Man weiß ja nie, was so für Verzögerungen auf dem Seeweg vorkommen können. Das Haus liegt in einer kleinen Ferienanlage und ist wunderschön. Endlich können wir unsere 3 großen Reisetaschen auspacken und müssen nicht jeden Tag wieder mit den Kindern weiter und aus den Taschen leben, ohne richtig Kochen und haushalten zu können. Das Gute ist wenn man mit wenig reist – es passt alles locker in den einen kleinen Schrank den wir im Haus haben Smiley

Die Kinder auf jeden Fall haben einen riesen Spaß hier. Das fing schon auf der Fahrt hierhin an, als wir wieder Strauße und auch die ersten Affen gesehen haben. Lenja brüllte auf einmal von hinten “Ich hab einen Affen gesehen – auf der Straße – der war nicht eingesperrt – wirklich Mama, der war nicht eingesperrt”. Echt klasse, wir sie sich freuen wenn sie jeden Tage 10 neue Dinge entdecken – menschliche, landschaftliche oder tierische…

Hier im Ressort ist wieder ein Ort an welchem es einfach gemacht wird, die wirkliche Welt auszublenden und ich bin ehrlich – es ist bequem und sehr angenehm. Aktuell gehören wir auch zu denen die es perfekt beherrschen. Jedoch hoffen wir beide dass wenn wir mit unseren 5qm auf dem 14 Jahre alten Dicken unterwegs sind, dass wir wieder den Bezug zur Wahrheit finden und nicht nur in der selbst geschaffenen Realität leben die ein Zerrbild ist. Wir hoffen dass unsere Kinder ein wenig davon für ihr späteres Leben mitnehmen werden. Leider ist es uns in Deutschland ja nicht erlaubt sowas zu machen wenn die Kinder ein bisschen älter sind, da sie ja dann in das System müssen welches wir für sie geschaffen haben – wirklich schade. Vielleicht würde es mehr Menschen geben die die Welt und sich selber ändern wollten wenn das System in dem wir leben solche Reisen als Bildung sehen würde. Denn in 6 Wochen Sommerferien von denen dann vielleicht 2-3 auch noch i.d.R. in einem schönen abgeschotteten Ort verbracht werden bekommt man ziemlich wenig mit – ausser die vielleicht organisierten Touren, welche aber wenig mit der Wahrheit zu tun haben.

Aber nun genug von dem Ärger über uns selbst, Moni und mich, dass wir so gut im Ausblenden der Wahrheit sind (wie sagte Buddha doch gleich – “wir leben in einer brennenden Welt”).

Wir sind in Port Elizabeth in einem wunderschönen Ressort und haben gestern Abend bei einem gigantischen Gewitter was wir von einer Terrasse mit Meerblick aus beim Mittagessen erleben konnten unseren ersten Tag verbracht. Unsere kleine Hütte ist echt fein:

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Heute waren wir wieder einkaufen für die Woche und auch schon für die Ankunft des Dicken. Ich war noch im Hardwarestore und hab einige Stecker gekauft da ich keine Lust habe immer mit Adaptern zu arbeiten. Ich hatte schon diverse vorkonfektionierte Kabel vorbereitet zuhause an die ich jetzt nur noch die Stecker schrauben muss.

Louis war da – der Dicke kommt Samstag

Gerade hatte ich mal das Bloggen unterbrochen weil Louis, unser afrikanischer Agent für das Shipping gekommen war und uns erklärt hat, wie das Einschiffen funktioniert. Ein echt netter Zeitgenosse. Er hat schon alle Formalitäten erledigt. Unser Schiff kommt erst am Samstag, nicht am Freitag. Um 9 Uhr treffen wir uns wieder uns holen unseren Dicken ab den wir ca. .30 Minuten laut seiner Aussage haben sollten.

Laut seiner Aussage wollen die hier in Port Elizabeth nicht mal in das Auto gucken, ganz anders als in Durban. Da dauert der Vorgang wohl 1-2 Tage mit aufwändigen Kontrollen. Hier is nix wie er meinte – völlig entspannt. Er hat dann direkt noch angeboten den Mietwagen mit zurück zu bringen und die erste Portion Campingas mit zu besorgen. Ein echt super Service. Kommt uns in der Lodge besuchen, alles ist schon geregelt und bietet dann auch noch weitere Hilfe an. Bezahlt wird es in Bar, sind ca. 8800 Rand für die ganzen lokalen Gebühren incl. Zoll. Moni und ich sind einerseits total glücklich dass alles so einfach ist ärgern uns aber auch gleichzeitig darüber dass wir den Dicken praktisch leer verschifft haben weil so angesagt, und alles in Taschen im Flugzeug mitgenommen haben. Aber naja, Hauptsache wir bekommen den Dicken am Samstag… freu freu Smiley

Was wir nicht wussten und es gut war dass wir Louis gefragt hatten – zurück geht es nur alle 45 Tage. D.h.., wir müssen genau planen wann wie abreisen da der Flug für den 05.08. fest gebucht ist. Allerdings hat die lokale Agentur einen Service und kümmert sich auch um den Wagen wenn er länger stehen muss wenn das Schiff halt noch dauert. Das könnte uns aber vor Probleme stellen wenn wir den Dicken daheim nicht haben. Aber naja, das sind noch 6 Monate Smiley Wir werden zeitig vorher mit Louis telefonieren und er wird alles für uns arrangieren… Echt klasse der Kerl!

So, jetzt guck ich mal wieder nach dem Grill und den 2kg Fleisch in unserem traumhaften Resort…

Und – lecker war es. Die Kinder sind Seelig im Bettchen und schlummern nach einem aufregenden und sehr schönen Tag. Wir lesen jetzt noch ein bisschen und genießen die Stille, obwohl wir im Hintergrund noch die Geräuschkulisse vom African-Cup haben, der offensichtlich heute hier in Port Elizabeth eines seiner letzten Spiele hat. In unserem Ressort sind auf jeden Fall jede Menge Fan’s angekommen, wahrscheinlich für eine Nacht, die sich das Spiel anschauen. Die können hier echt Stimmung machen Smiley Da waren sie wieder die zwei Welten – das gute Leben wie bei uns und das andere Leben, das die meisten Menschen leben müssen (oder manche vielleicht auch wollen) und das es uns, Moni und mir, manchmal schwer macht, hier klar zu kommen.