Wie versprochen die kleine Fortsetzung vom letzten Beitrag….

Ich hatte ja schon im letzten Beitrag erwähnt, dass wir noch mal ein bisschen über die Himba erzählen, die wir besucht haben auf unserem Weg zum Etosha.

Dazu muss ich sagen, dass alles was wir hier schreiben so wiedergegeben ist, wie wir es verstanden haben und wie es uns erklärt wurde. Da wir sehr viel erklärt bekommen haben, führen wir hier nicht alles auf, sondern nur einen Ausschnitt dessen und hoffen, es entsprechend richtig darzustellen.

Als wir dort angekommen sind, ein wenig von der Hauptstraße abgelegen auf einem Farmgelände wurden wir nach einer kurzen Nachfrage ja direkt von unserem Guide und Übersetzer herzlich begrüßt. Beim Porkupinecamp hatten wir uns erkundigt was denn so ein Besuch normalerweise kosten würde und man hat uns gesagt, dass es 250N$ pro Person wäre. Da es offensichtlich keinen festen Preis dafür gab hat uns unser Guide erst mal gefragt, was man uns denn gesagt hätte und als wir erwähnten dass es 250N$ wären hat er sich total gefreut. Zum Vergleich – an einer Lodge an der wir vorher mal waren kostete eine Himba-Führung 1200N$ und da wir schon von einigen gehört haben dass nur ein sehr geringer Bruchteil, etwa 100N$ davon an die eigentlichen “Besuchten” gehen hatten wir uns dazu entschieden es eben auf eigene Faust zu organisieren. Naja, das gesparte haben wir dann fast komplett in Schmuck investieret, den wir bei den Himba gekauft haben und haben noch eine Erinnerung mehr, die wir immer bei uns haben können Smiley Also billiger war es dann auch nicht wirklich, aber wenigstens war das Geld aus unserer Sicht sinnvoller eingesetzt.

Der Platz auf dem wir dann unser Auto abgestellt hatten beheimatete auch direkt die 2-Zimmer Schule, in welcher vormittags die Kinder und Nachmittags Erwachsene welche Interesse an der Schule hatten, von einem Lehrer, der selber Himba ist und in der Community lebt, unterrichtet wurden. Sie waren gerade dabei für den ca. 4*4m großen Klassenraum für Stühle und Tische zu sparen, da aktuell noch sitzend auf dem Boden unterrichtet wurde, weil das Geld für die Ausstattung seit ein paar Jahren fehlt. Als wir dann später gefahren sind haben wir noch einige Schreib- und Malutensilien dagelassen und noch ein paar andere Dinge, die wir vorher in Deutschland schon extra für solche Zwecke gekauft hatten.

Unser erster Besuch im Dorf war eine Himba, ca. 35 Jahre alt, die sich gerade um eines ihrer Kinder kümmerte und deren Mann auch in die Schule ging. Sie war gerade dabei etwas zu “bauen”, von dem wir nicht genau verstanden hatten was es war, aber auf jeden Fall war es für die Hühner. Ihr Mann sagte dann, dass er nun gerne in die Schule gehen würde aus dem aber nichts wurde, denn sie brauchte seine Hilfe bei genau dieser Sache. Und erst wenn dieses erledigt sei, könne er in die Schule gehen. Also hatte er da zu bleiben und seiner Frau zur Hand zu gehen. Für den Ein oder Anderen klingt das vielleicht komisch, wenn man unsere Sichtweise zu Grunde legt. Aber wie wir später verfahren haben, ist es aus der Sichtweise der Himba ganz klar, wie die Prioritäten zu setzen sind, wie wir nebenbei in einem Gespräch mit unserem Guide erfahren haben.

Es ist so, dass ab einem bestimmten Alter, so zwischen 7 und 10 Jahren die Eltern die Entscheidung für ihre Kinder treffen, welche “Laufbahn” sie einschlagen. Wenn ein Kind nicht dazu geeignet ist das traditionelle Leben zu führen und die wichtigen und harten Aufgaben des täglichen Alltags auszuführen, dann wird das Kind auf die Schule geschickt. Also ist die Schule aus Sicht der Himba, so wie wir es verstanden haben, praktisch der “Notnagel”, wenn aus dem Nachwuchs nichts Gescheites aus Traditioneller Sicht werden kann. Und hier hatte es vor vielen Jahren auch unseren Guide erwischt. Er wurde wie er uns sehr offen erzählt hat, von seinen Eltern nicht für gut genug befunden das traditionelle Leben zu führen und die Traditionen weiterzugeben und damit konnte er dann zur Schule gehen. Nun verstanden wir auch warum der Himba am Anfang seinen Schulbesuch der täglichen Arbeit unterzuordnen hatte. Er wurde einfach nicht als wichtig angesehen sondern als reine Freizeit, da es eben andere Prioritäten gibt.

Nachdem wir nun ein paar weitere Erklärungen erhalten haben, haben wir uns einer kleinen Gruppe Kinder zugewendet um uns mit diesen ein wenig zu unterhalten.

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Sie waren total begeistert von den Fotos die wir schon gemacht hatten und haben sie ihnen auf dem Fotoapparat gezeigt. Es war garnicht so einfach sie wieder davon weg zu bekommen weil jeder damit beschäftigt war sich auf dem Foto zu finden oder sich über die anderen auf dem Bild Lustig zu machen. Anhand der verschiedenen Frisuren der Kinder kann man eindeutig identifizieren, ob es ein Junge oder Mädchen ist. Das ist, zumindest für uns, manchmal garnicht so einfach gewesen, wie es wahrscheinlich auch andersherum gilt. Silas wurde durchweg für ein Mädchen gehalten, was aber zugegebenermaßen auch bei uns in Deutschland schon das ein oder andere mal vorgekommen ist.

Nun muss man mal nicht meinen dass die Kinder hier den ganzen Tag spielen können. Schon sehr früh mit 4-5 Jahren bekommen sie schon ihr eigenes Vieh, wenn auch nicht viel, auf welches sie aufpassen müssen und komplett verantwortlich sind – so kann man Verantwortung auch lernen. Und da der Besitz von Vieh direkt mit dem Status eines Himba in der Gesellschaft verknüpft ist – je mehr, desto höher der Status, wird auch schnell klar, wie wichtig es ist zu lernen dieser Verantwortung Gerecht zu werden.

Ansonsten werden die Kinder auch sehr früh in das tägliche Leben und Arbeiten voll mit eingebunden und sind eigentlich, genau wie die Erwachsenen, immer mit irgend etwas beschäftigt.

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Die Hütten die man hier sieht beherbergen in der Regel immer eine komplette Familie, die teilweise aus 5-7 Personen besteht. Manchmal sind sie auch größer. In der Hütte befindet sich eine Feuerstelle, die auch bei Regen betrieben werden kann da sie die Tür schließen können und der Rauch oben über das Dach abziehen kann.

Im Dorf gibt es auch, mindestens einen, hier mehrere, “Storage-Room”, also eine Art Vorratskammer für Essen und andere Gegenstände. Da die Hütten keinen Platz für viele Gegenstände, ausser das persönlichste bieten, werden hier viele andere Dinge untergebracht. Dabei sind die Hütten selber aus einem Holzständerwerk welches mit einem Lehm-Kuhmist Gemisch verschmiert ist erstellt und mit einem Stroh- und Grasdach abgedeckt. Nach jeder Regenzeit müssen die Wände ausgebessert werden weil sie davon aufweichen und später Risse bekommen.

Eine Hütte hat eine Lebenszeit von etwa 5 Jahren und wird danach verlassen, in der Regel dann, wenn auch das Dort weiterzieht.

Angesprochen darauf was denn so das typische Essen der Himba ist, hat uns unser Guide erklärt, dass es etwa 2-3 mal in der Woche Fleisch gibt, entweder Hühnchen, Ziege, Schaf oder auch Warzenschwein. Manchmal wenn es gut läuft, gibt es auch Antilopen wir Kudu, Springbock,… Gejagt wird überwiegend mit Hunden, die sehr wichtig für die Himba sind. Diese spüren die Tiere auf, und besonders beim Warzenschwein, erlegen diese auch. Gerade in der Woche vor unserem Besuch musste aber leider ein Hund dran glauben was ein herber Verlust war, der den Kampf mit der Warzenschweinmutter die ihre Jungen verteidigt hat, nicht überlebt hat. Die größeren Tiere werden von den Hunden aufgespürt, verfolgt, und dann in der Regel mit einem Speer von einem Himba erledigt. Danach ist dann großes Festessen angesagt Smiley

Ansonsten besteht das Hauptessen aus Maisbrei und einem Milch-Extrakt, was den Rest darstellt, wenn sie die Milch entbuttert haben. Denn das Butterfett benötigen sie für die Herstellung ihrer rötlichen Hautcreme und sonstiger Kosmetika.

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Hier sieht man gerade, wie ein 7 Jahre altes Mädchen gerade das rote Pulver herstellt, aus welchem unheimlich viel bei den Himba zur Köperpflege und zum Körperschmuck hergestellt wird. Wir haben eine ganze Weile dabei zugeschaut, was sie denn da so macht. Der Stein aus welchem das Pulver hergestellt wird kommt nur an 2 Stelle in Namibia vor und wird von dort her dann herangeschafft – auch wenn es viele Tagesmärsche sind, bis man dort ist. Man könnte fast sagen, dass dieser Ocker das Lebenselixier der Himba ist. Und ach ja, man sitzt immer zusammen auf dem Boden und schaut nie von oben herab auf einen anderen Menschen – das ist sehr unhöflich. Und immer wenn man eine Frage beantwortet bekommen hat sagt man danke und auch wenn man sich verabschiedet, sagen beide Parteien Danke, einmal dafür dass man einen besuchen durfte und der andere sagt danke dafür, dass er besucht wurde und sein Rat eingeholt wurde.

Das folgende Foto kennt ihr ja schon, verknüpft mit der kleinen Geschichte zum Heiratsantrag für Thomas (Und ach ja, wenn Mann eine Himba-Frau heiraten will, muss Mann in dieser Community 5 Stück Vieh als Minimum zahlen – 2 Stück werden beim Hochzeitsfest verspeist und 3 Stück werden weiter für die Zucht verwendet… Ich bin mal gespannt, wann Thomas die ersten Ziegen anfängt zu züchten daheim im Garten Zwinkerndes Smiley). Aber es gibt natürlich noch mehr hierzu zu erzählen…

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Die Haupthütte stellt die größte Behausung dar und ist im Falle dieses Dorfe die Behausung der der Head-Woman. Sie ist praktisch die lokale Regierung des Dorfes und entscheidet über alle Angelegenheiten, zumindest mit. Sollte es zu Streitereien oder Unklarheiten kommen, so ist sie Schlichterin oder im Zweifelsfall auch Richterin. In diesem Haus hier schlafen 7 Personen. Das Haus ist so ausgerichtet dass der Eingang gegenüber dem Eingang des Viehgeheges liegt und dazwischen gibt es ein heilige Feuer, welches immer brennt und auch zu zeremoniellen Zwecken genutzt wird wenn z.B. geheiratet wird, oder etwas anderes ansteht. Man darf die Linie die sich ergibt zwischen dem Feuer und des Haupthauses nur überschreiten, wenn man in das Dorf eingeladen wurde, ansonsten muss man hinter dem Haupthaus vorbei gehen.

Viele der Gegenstände die man an der Wand des Hauses sieht, gibt es genau einmal im Dorf und werden immer bei der Head-Woman ausgeliehen. So ist hier z.B. ein Hochzeitskleid zu sehen, in dem alle Bewohner des Dorfes geheiratet haben. Wie schon im vorigen Beitrag hat uns die bildhübsche Himba einige ihrer alltäglichen Rituale erklärt. Eines davon war z.B. die tägliche Morgenhygiene. Hierzu wird ein Stück glühende Kohle auf eine spezielle Vorrichtung gelegt. Diese wird dann vermengt mit Butterfett und speziellen Kräutern/Blättern, die mit dem Fett vermengt sind. Dieses zusammen produziert dann Rauch, der über ein Ledertuch eingefangen wird und an den Körper und in die Haare geleitet wird. Hierrüber werden lästige Parasiten und Keime abgetötet. Die Himba sehen also den “typischen” Dreck wie wir ihn sehen garnicht als Dreck an, denn es ist ja einfach nur Erde, sondern haben ein ganz anderes Verständnis von Sauberkeit. Hier wird vielmehr darauf geachtet, dass Parasiten und schädliche Keime nicht zu Krankheiten führen. Dieses Ritual wir jeden Morgen ca. 2 Stunden vor Sonnenaufgang einmal von jedem Himba durchgeführt. Und für die die sich jetzt fragen ob die Himba denn dann nicht schrecklich riechen müssen. Die Frage kann ganz klar mit Nein beantwortet werden. Wir haben gar keinen Geruch wahrgenommen, ausser einen sehr angenehmen. Viele Mitteleuropäer riechen wesentlich unangenehmer trotz aus unserer Sicht viel besserer Hygiene. Ich würde sagen dass die Himba es einfach sehr gut verstehen, sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und so trotzdem eine gute Hygiene haben, anstatt 27 verschiedene Methoden und Produkte zu kombinieren und jeden Tag 30 Liter Wasser zu brauche und dann trotzdem unangenehm zu riechen und nicht sauber zu sein.

So, Schluss jetzt mit dem Bericht über die Himba, obwohl es noch so viel zu sagen gäbe und noch viel mehr von dem wir garnichts wissen weil wir es nicht gefragt haben, vergessen haben oder es uns in den sehr kurzweiligen unvergesslichen guten 2 Stunden nicht erklärt wurde. Aber eines möchten wir trotzdem noch mal hinterherschieben. Die Himba, durchweg, die wir dort alle gesehen haben, machten einen sehr zufriedenen Eindruck und aus allen Ecken hörte man sie lachen und freudig erzählen. Und auch wenn wir es nicht verstanden haben, die Gesichter haben ihre eigene Sprache gesprochen. Eigentlich haben wir nur 2 Gesichtsausdrücke kennen gelernt – den lachenden oder den neugierig-interessierten (welcher der überwiegende war, zumindest immer am Anfang). Offensichtlich muss man nicht viel besitzen um glücklich zu sein…